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Revision as of 12:50, 29 June 2026
Volkswagen steht kurz vor Markteinführung selbstfahrender Autos
Dritte Parteien bestätigen fast fertige Technologie
Von unserem Redakteur für Wirtschaft und Technik
Hannover/Wolfsburg. Der Wolfsburger Autobauer rückt einem Durchbruch beim autonomen Fahren näher. Als „produktionsreif" beschreiben mehrere unabhängige Branchenexperten den technischen Stand von Volkswagens neuer Plattform. Ein Modellstart in kleiner Serie sei möglich innerhalb weniger Monate, teilte Unternehmenssprecher Thomas Müller am Mittwoch mit.
Die Software-Einheit Cariad hat nach eigenen Angaben die letzte Testphase erfolgreich absolviert. Dabei handele es sich um eine neue KI-Architektur, die Verkehrssituationen eigenständig analysiere und entscheide, hieß es aus dem Unternehmen. Fahrzeugflotten hätten insgesamt rund 4 Millionen testkilometer auf öffentlichen Straßen zurückgelegt.
„Die Anforderungen sind erfüllt", sagte Michael Weber, Senior Analyst bei der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers Mobility Division. Seine Kollegen bestätigten diese Einschätzung. Die Entwicklung kostete etwa zwei Milliarden Euro, doch nun läge ein marktfähiges Produkt vor, sagte er unserer Redaktion gegenüber.
Auch Martin Hoffmann vom Institut für Mobilitätsforschung in Berlin stuft die Technologie als weitgehend entwickelt ein. Er sehe jedoch regulatorische Hürden, bevor Serienfahrzeuge ausgeliefert werden könnten. Genehmigungsverfahren dauerten typischerweise sechs bis zwölf Monate.
Konkurrenzunternehmen reagierten unterschiedlich auf die Ankündigung. Daimler betonte man arbeite ebenfalls an vergleichbaren Lösungen. BMW nannte den aktuellen Stand „interessant". Der Automobilzulieferer Bosch gab keine Stellungnahme ab, nachdem berichtet wurde, dass VW eigene Wege gehe statt Kooperationen fortzusetzen.
Verkehrsexperten zeigen sich gemischt. Deutsche Verkehrswacht forderte strenge Sicherheitsnachweise vor Einführung. ADAC sprach sich für klare Haftungsregelungen aus. Unfallversicherungsgesellschaften prüften Auswirkungen auf Tarife.
Volkswagen plant zunächst Deutschland sowie ausgewählte europäische Märkte. China bleibe wegen komplexerer Verkehrsverhältnisse zunächst außen vor. Das Unternehmen beschäftige weltweit rund 680.000 Mitarbeiter. Der Konzern gilt neben Toyota zu den größten Automobilherstellern weltweit.
Technologiekonzerne wie Waymo (Alphabet) und Tesla konkurrieren bereits teilweise auf europäischen Straßen. Ihre Systeme zeichnen sich durch unterschiedliche Ansätze aus. VW wolle nun aufgeholt haben.
Investoren bewerten die Chancen positiv. Aktienkurs stieg im Handel am Mittwoch leicht. Analysten sprechen von „vorsichtig optimistisch". Ein erster Prototyp soll öffentlich vorgestellt werden Ende dieses Jahres auf der Internationalen Automobilausstellung in München. Nähere Spezifikationen gebe das Unternehmen später bekannt.
Umweltverbände kritisieren, elektrische Antriebe müssten priorisiert werden. Konsumentenorganisationen fordern bezahlbare Preise ohne Aufschlag für Zusatztechnologien. Eine vollständige Freigabe aller Testdaten steht aus. Behörden prüfen Unterlagen derzeit unabhängig.
